Synthetische Fasern – mehr als nur Plastik

 

„Hey, cooles Hemd! Ist das neu?“

„Hey, danke! Ja habe ich mir erst neu gekauft, ich mag den weichen Stoff total gerne.“

„Aber das ist doch bestimmt mit Polyesteranteil? Plastik ist doch total umweltschädlich!“

 

Synthetischen Fasern eilt ein schlechter Ruf voraus. Klar, in einer Zeit von Fast Fashion und Umweltverschmutzung werden Polyester, Polyamid, Viskose, usw. erstmal mit schlechten Aspekten in Verbindung gebracht. Aber tatsächlich ist es viel komplizierter. Sowohl die Herstellung, der verwendete Rohstoff als auch die Weiterverarbeitung der Fasern spielen eine große Rolle.

 

Wie werden Chemiefasern eigentlich hergestellt?

Grundsätzlich wird zwischen Chemiefasern aus synthetischem und natürlichem Ursprung unterschieden. Als synthetisches Ausgangsmaterial für Beispielsweise Polyester, Polyamid und Polyacryl, werden Erdöl, Kohle und Gas verwendet. Die Basis für Fasern mit natürlichem Ursprung wird aus Cellulose gewonnen, die meist von Laub- und Nadelhölzern stammt. 
Mehr darüber erfährst du auch in unserem Blogbeitrag "Wie aus Holz Stoff wird".

 

Das jeweilige Ausgangsmaterial wird aufgelöst oder eingeschmolzen und anschließend durch eine Spinndüse gepresst. Die Spinndüse kann man sich, vereinfacht gesagt, als eine Platte mit vielen Löchern vorstellen - fast ein bisschen wie ein Duschkopf.  Um das Material dann zu einem Faden zu spinnen, gibt es drei verschiedene Spinnverfahren.  Nach dem Abkühlen des Materials und dem Entfernen des Lösungsmittels werden die gewonnen Fäden mit Hilfe von Walzen verstreckt.

 

 

Eigenschaften der Chemiefasern

Du fragst dich jetzt bestimmt immer noch, warum Chemiefasern doch nicht so schlecht sein sollen, wie alle meinen? Dann werfen wir mal einen Blick auf die entstandenen Fasern.

 

Polyester, die am häufigsten verwendete Chemiefaser ist langlebig und sehr strapazierfähig. Die Langlebigkeit zeichnet sich vor allem durch eine hohe Licht- und Hitzebeständigkeit und hohe Farbechtheit aus. Außerdem ist das Material formbeständig, wodurch Stoff mit einem angemessenem Polyesteranteil nicht einlaufen oder sich ausbäulen. Die auf Cellulose basierte Viskose, zeichnet sich durch ihren weichen Griff und gute Feuchtigkeitsaufnahme aus. Außerdem ist sie sehr elastisch und knittert nicht.

 

Das sind Eigenschaften, die bei Naturfasern meist nicht sehr ausgeprägt oder gar nicht vorhanden sind. Besonders hilfreich ist die Kombination mit synthetischen Fasern zum Beispiel bei Wolle, die von Natur aus schrumpfanfällig ist. Durch ein passendes Mischverhältnis im Stoff, kann das Einlaufen reduziert werden und die positiven Eigenschaften von Natur - und Chemiefasern gestärkt werden.

 

Schauen wir uns nochmal das neue Hemd vom Anfang an, das nicht nur aus Polyester, sondern aus einer Polyester-Baumwoll-Mischung besteht. Ein Hemd aus reiner Baumwolle wäre zwar saugfähig und scheuerbeständig, aber knittert sehr stark und ist nicht besonders formstabil. Durch den zusätzlichen Einsatz von Polyester bekommt das Oberteil nicht nur einen ganz neuen Tragekomfort, ist bequemer und weicher, sondern wird auch langlebiger und stabiler. Auch die Knitterneigung kann so immens verringert werden.

 

Auf die Mischung kommt es an

Chemiefasern müssen also nicht zwangsläufig schlecht sein, entscheidend ist wie und wofür sie eingesetzt werden. Durch die durchdachte Kombination von natürlichen und synthetischen Fasern werden die Vorteile beider verbunden und es lassen sich vielseitige, strapazierfähige und vor allem langlebige Textilien herstellen. Deshalb ist es wichtig, Chemiefasern nicht grundsätzlich zu vermeiden, sondern sie sinnvoll und gezielt einzusetzen.

 

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